Veranstaltungen

 

Datum

So 8.10.2017

Info

Ehe-Jubiläums-Godi

Zeit

09.15 Uhr

Ort

Pfarrkirche

 

 

Datum

So 22.10.2017

Info

Weltmissionssonntag

Zeit

09.15 Uhr

Ort

Pfarrkirche

   

Datum

Do 26.10.2017

Info

Bibel-Teile

Zeit

19.00 Uhr

Ort

Pfarreisaal

 

 

Datum

Di 31.10.2017 /
Mi 8.11.2017 /
Di 14.11.2017 /
Mi 22.11.2017

Info

Exerzitien im Alltag 

Zeit

18.30 - 20.00 Uhr

Ort

Pfarrseiaal

 

 

Datum

Mi 15.11.2017

Info

Kirchgemeinde-versammlung

Zeit

 20.00 Uhr

Ort

 Pfarreisaal

 

 

Seelsorge

Gedanken

 

zum Oktober 2017

Herbstliches Spiel von Licht und Schatten

 

In der beginnenden Herbstzeit können wir in vielerlei Facetten der Natur das leichte Lichtspiel bewundern. Wir dürfen es erleben am Wasser, in den Bergen, im Weinberg, auf Reisen, daheim, wo immer…

Schatten und Licht erfahren wir in täglichen Begegnungen, Gesprächen mit vertrauten oder fremden Menschen, bei unterschiedlichen Meinungen, auch mit Mitmenschen anderer Nationen… 

 Schatten und Licht liegt in Vergangenem und dem, was neu aufbrechen und Frucht bringen will –  es hält uns in Bewegung, auch innerlich.

Schatten und Licht – für uns Christen zum Lebensweg gehörend, in den Spuren Christi, hoffend, glaubend, liebend.

In den herbstlichen Wochen unterwegs, Licht und Kraft tankend, sammeln wir Eindrücke und Erfahrungen, wie kostbare, zerbrechliche Lichtperlen. Vielleicht „wärmen“ uns die wertvollen Erinnerungen in den kommenden Wintermonaten

Wie kann noch mehr Licht – heller Tag werden in uns, in den Familien, am Arbeitsplatz, in unserer Pfarrei? Wie wird unser gastfreundschaftliches Zusammensein einladend; ein „Klangspiel“ im Miteinander, wo jeder sein Solo einbringt mit dem, was er ist und hat und es weiterschenkt!?

Eine bodenständige Antwort las ich letztens bei einem unbekannten, jüdischen Rabbi, der sagt: „Licht wird in uns, wenn wir in ein menschliches Gesicht schauen und wir in diesem Gesicht wirklich unser Bruder, unsere Schwester erkennen.“

Viel Freude beim Entdecken, in Begegnungen!

Sr. Marianne Rössle, Seelsorgerin

 

 

zum September 2017

Im Herbst des Lebens werden geistige Früchte reif

Nicht nur beim Obst, sondern auch beim Menschen reden wir von reif und reif. Bei beidem ist Reifen ein innerer Prozess. Es ist unsere Aufgabe, ganz Mensch zu werden, uns mit unseren Anlagen und Fähigkeiten zu entfalten, so wie Gott uns gedacht und gewollt hat.

Spätestens im Alter - dem Herbst des Lebens - fallen gewisse angeeignete, antrainierte, aber nicht wirklich integrierte Haltungen weg. Der Mensch zeigt sich zunehmend in seinem Charakter, wie er wirklich ist. Er hat auch nicht mehr die Kraft, sich hinter äusseren Formen und Normen, hinter angelernten Fassaden zu verstecken. Ich meine, er wird durch das Alter irgendwie ehrlicher. Seine geistigen Früchte kommen im Herbst des Lebens zum Vorschein. Allerdings nur, wenn sie bereits im Frühling gesät und immer wieder gehegt und gepflegt wurden. Gewiss kann man auch im Sommer oder im Winter des Lebens noch säen. Klar auch, dass wir uns im Leben für eine bestimmte Haltung und Lebensführung engagieren und interessieren müssen, damit wir im Alter ausgeglichen, zufrieden, harmonisch und gelassen sind und so eine Art Wegweiser für jüngere Menschen werden können.

Eine ältere Person kann aus der Erfahrung ihres eigenen Lebens jüngere Menschen aufmerksam machen, was Fehler zur Folge haben können, wie man unnötige Sorgen und Probleme vermeiden kann, wie mit Menschen gerecht umzugehen ist, die anders denken und fühlen. Das Problem ist, dass viele aus der Geschichte oder der Vergangenheit anderer Menschen kaum etwas lernen. Nicht nur Jüngere wollen die Erfahrungen selber machen, wollen spürbar lernen, was es heisst, zu versagen und neu anzufangen. Sie meinen, andere in ihrer Krankheit erst verstehen zu können, wenn sie selber auch krank waren.

Der Evangelist Matthäus berichtet: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen". Er warnt dabei vor falschen Propheten, von dunklem nicht klarem, nicht leicht einsehbarem Wirken. Der gute Baumboden wird gute Früchte hervorbringen. Die Qualität des Unsichtbaren offenbart sich im Endprodukt. Früchte sind demnach sichtbare Endprodukte eines gütigen Lebens, das sich unsichtbar in der geheimen Tiefe des Einzelnen vollzieht. Früchte sind Sammelgut von Erkenntnissen, von undurchschaubaren Vorgängen, von einer Reifung, die einfach geschieht. Reifung ist letztlich ein Geschenk, eine Gabe, nicht berechnet oder garantiert, sondern obendrauf gegeben.

 Der Apostel Paulus schreibt von der Frucht das Heiligen Geistes in der Einzahl, zählt dann aber ganz verschiedene Gaben als Früchte auf: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung (Gal 5,22).

Gerade die Begegnung mit Menschen, die den Zenit des Lebens hinter sich haben, offenbart eine Fülle von Früchten, wie sie uns die Natur im Herbst schenkt. So meint der Franziskaner Xaver Trachel: "Der hektische Alltag ist Vergangenheit. Eine ruhigere Zeit beginnt. Die Arbeit ist getan, die Ernte eingefahren. Der Kampf um Positionen hat ein Ende gefunden. Der Genuss der erarbeiteten Güter kann beginnen. Der reiche Erfahrungsschatz erlaubt ein leichteres Gehen in den Alltag. Die Ruhe wird als Geschenk erfahren. Eine tiefere Liebe kann über menschliche Emotionen hinausgehen und eine neue Lebensschau und Werteskala offenlegen. Auch Beziehungen erfahren eine neue Tiefe."

So wünschte ich, dass uns der anbrechende Herbst zum Wesentlichen führt und uns die Freude über jede reife Frucht ins Gesicht treibt.

 Hans Schelbert, Gemeindeleiter a.i.

 

 

 

zum August 2017

Heimatgedanken

Jedes von uns feiert irgendwann einmal im Jahr, Geburtstag. Auch unsere Heimat feiert ihren Geburtstag – dies landesweit am 1. August.

Für mich ist dieser Feiertag immer wieder ein besonderer Tag. Nicht wegen des öffentlichen Ruhetages; nicht wegen der Lampions, Feuerwerke und Raketen die an diesem Tag/Abend zu abertausenden in den Himmel steigen, sondern, weil er mich demütig und zugleich freudig daran erinnert, als freier Mensch mein Leben gestalten zu dürfen. Man kann es auch Heimatgefühl nennen, getragen von der grossen Dankbarkeit unserem Herrgott und Schöpfer gegenüber.

Denn, wie grosszügig ist unser Land mit Frieden und Freiheit gesegnet; wie einmalig sind seine Landschaften: Berge und Seen, wie vielfältig die Menschen, Kulturen und Traditionen.

Unverkennbare Werte, die unser Land, unser Menschsein prägen und formen; so immens lebenswert, kostbar und „reich“ machen.

Werte, für die es sich lohnt, in Gesellschaft; Welt und Kirche stark zu machen und auch mit anderen zu teilen. Denn, für viele Menschen weltweit ist es keine Selbstverständlichkeit in Frieden und Freiheit zu leben.

Wie bereits in den vergangenen Jahren, feiern die politische und die kirchliche Gemeinde von Nottwil den Geburtstag unserer Heimat am 31. Juli in der Badi am Sempachersee.

Die Feier beginnt um 18.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, indem wir für unsere Heimat und für den Frieden in der Welt, beten. Anschliessend sind alle zur „weltlichen Geburtstagsfeier“ geladen. Schon bald spiegeln sich die ersten Lichter im See und bei Speis und Trank, Gesprächen und in alt/neuen Begegnungen kommt man sich näher. Ein „kleines Stückchen Heimat“ am See und – Heimatgefühl – verbindet Menschen, verbindet Dorf und Land mit der Welt, verbindet Kulturen und Religionen. Heimatgefühl gibt Sicherheit, Kraft und Perspektive, schenkt Geborgenheit und ein Getragensein, auch im Glauben. Denn für uns Christinnen und Christen verheisst ja der Glaube, neben der irdischen Heimat hier, einst auch eine ewige Heimat bei Gott!

Der 726. Geburtstag unserer Heimat steht vor der Tür. Ich freue mich auf die Feier und bringe dem Geburtstagskind natürlich auch ein Geschenk mit: nämlich meine Anerkennung; meine Freude und Dankbarkeit, eingepackt in ein buntes multikulturelles Geschenkpapier unseres vielfältigen Menschseins und Lebens. Und: ich wünsche unserer Heimat alles Gute, wünsche ihr Weitblick und Offenheit, wünsche ihr Einheit; Frieden und Gottes Segen, damit auch in Zukunft Menschen weltliche wie auch himmlische Heimatgefühle in ihr erfahren können!

Anita Troxler

 

 

zum Juli 2017

 

Den Schönheiten des Lebens

Gott begegnen

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge; Mond leuchtend über den Bergen und Tälern, verborgenes Blühen von Blumen, die ins Staunen versetzen; Schmetterlinge, die ihre Flügel aufschlagen mit ihren seidenen Flügeln; Stimmen von Vögeln, die mit ihrem Gesang Wohlgefühl verbreiten; blühende Heide, die wohlriechenden Duft verbreiten; ferne Gipfel, die da majestätisch stehen seit „Urzeiten“; Bergseen wie „blaue Augen dem Himmel aufgetan“. Die Schönheiten der Natur entdecken und in ihnen Gott begegnen.

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Ein herzliches Kinderlachen, das tiefe Zufriedenheit ausstrahlt; ein freundliches Wort zur rechten Zeit, das Trost spendet; das Reichen einer Hand, die einen Menschen aufrichtet; das Schenken von etwas „Zeit“, die Leben bedeutet; ein Besuch, der viel Freude bringt; eine Aufmerksamkeit, die die Wertschätzung spüren lässt. Irgendwie fällt in all diesen Schönheiten der Schimmer des Göttlichen in eine Menschenseele.

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Wolken ziehen dahin und verwandeln sich in wunderbarerweise; eine Mücke zwischen den Stämmen schwebend, die einem einfallenden Sonnenstrahl aufschimmert, als sei sie selbst ein Funke geworden, ein winziges Licht; Jeder Lichtstrahl preist den Herrn, enthüllt ein wenig von der Schönheit, die Gott über die Erde ausgebreitet hat. Ja, in den Schönheiten des Lebens Gott begegnen. Und, was sind für Sie die Schönheiten des Lebens? Ich weiss, jeder Mensch definiert die „Schönheiten des Lebens“ auf seine je eigene Weise. Wichtig scheint mir, auf die wahren Werte zu achten, die dem Leben die Schönheiten verleihen. Wie oft wird ein schöner Sonntag oder ein schönes Wochenende gewünscht, einen schönen Abend oder was zurzeit sehr aktuell ist, schöne Ferien! Doch was meinen wir mit all den sogenannten „schönen Wünschen“? So schnell sind „schöne Wünsche“ ausgesprochen; oder wie spontan sprechen wir die Worte: „o ist das Schön …!“ Ja, gewiss ist Schönheit relativ und ebenso eine individuelle Wahrnehmung.

Was ich auch immer als Schönheit definiere, erfahre und geniesse, geht es letztlich um die eigene innere Erkenntnis, die mich glücklich und dankbar macht. So kann ich das Schöne immer wieder neu entdecken und staunen über die wunderbaren „Dinge des Lebens“ – und so dem Göttlichen begegnen!

 

„Ich wünsche dir

Musse für die schönen Dinge,

die du schon immer tun wolltet.

Nimm dir die Zeit für das,
was dir Freude macht,

was dir neue Kraft gibt,

was deinem Leben einen Sinn gibt.“

(Albert Bichler)

 

 Mit den Worten von Albert Bichler wünsche ich Ihnen eine schöne und gesegnete Zeit!

Heinz Hofstetter, priesterlicher Mitarbeiter

 

 

 zum Juni 2017

Mitten im Leben

Viele Menschen besinnen sich auf Gott, wenn es ihnen nicht so gut geht. Erst wenn sie mit der Lebensbewältigung an Grenzen stossen, kommen sie auf die Religion zurück. In der Bibel aber zeigt Gott, dass er den Menschen nicht nur in der Not, sondern mitten im Leben nahe sein will. Auch Erstkommunionkinder und Firmanden lehren es uns je neu.

Mitten im Leben muss Gott erkannt werden, in Gesundheit und Kraft und nicht erst im Leiden", sagt auch der jüdische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Ein Blick in unsere Lebenswelt zeigt allerdings, dass diese Erkenntnis oft recht wenig greift. Die Bedürfnisse werden selbstverständlich mit Geld und Beziehungen befriedigt. Irgendwelchen göttlichen Gesetzen nachzuleben erachten viele als unnötig und gar hinderlich. Die Erfolgreichen erbringen ihre Leistungen aus eigener Kraft. Dazu brauchen sie keinen Gott. Es scheint, dass Gott für den Menschen in Gesundheit und Kraft - um mit Bonhoeffer zu reden – eine oft geringe existenzielle Bedeutung hat. Wozu beten und in die Kirche gehen – ich habe ja alles.

Die Erfahrung zeigt, dass niemand dauerhaft von Erfolg und Glück satt wird. Mit Gott bezeichnen wir nichts Oberflächliches, sondern eine Wirklichkeit, die Sinn und Tiefe schenkt. Gott kann zufrieden machen, denn unser Herz ist unruhig, bis es ruhet in ihm. Wer Gott "im Saft des Lebens" sucht, sieht Freud und Leid mit andern Augen. Er wird dankbar, froh und gütig mit den Mitmenschen. Er hadert oft ebenso, doch ist Gott für ihn kein Zauberer in Not und wird nicht als Feuerwehrmann angerufen.

Ein glaubender Christenmensch kann und darf nicht über das Leid all überall hinwegsehen. Doch wenn es ihn trifft, hat er die Gewissheit, dass Gott für ihn da ist. "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen", sagt Psalm 50. Und der Mystiker Meister Eckehard versucht diese unerklärliche Nähe Gottes zu deuten, wenn er schreibt: "Oh, merket wohl, alle nachdenklichen Gemüter: das schnellste Ross, das euch zur Vollkommenheit trägt, ist Leiden. Niemand geniesst so viel ewige Seligkeit, als die mit Christus in der göttlichen Bitterkeit stehen. Denn Liebe bringt Leid – und Leid bringt Liebe".

Wer mitten im Leben mit Gott unterwegs ist, versucht ihn also in Freud und im Leid zu sehen. Gerade die Zeit um Pfingsten ruft uns alle Jahre zu, über das göttliche Wirken in der Welt nachzudenken. Wir feiern den Heiligen Geist Gottes. Wir freuen uns mit den Jugendlichen an ihrer Firmung, die sich in guter Gemeinschaft mit diesem Geist stärken lassen. Wir bitten für die Kirche um seine sieben Gaben: Den Geist der Weisheit und der Erkenntnis, der Einsicht, des Rates und der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. Wie wohltuend, sich den entscheidenden Lebensfragen nicht erst in Panikstimmung und Todesnähe zu stellen. Wie erfreulich, "mit Herzen, Mund und Händen" die je eigene Berufung und Bestimmung auf Erden neu zu erkennen und freudig zu leben.

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

zum Mai 2017

„Salve“

Wer nach Einsiedeln pilgert, besucht gerne «das Salve». Das sympathische Dingwort hat es tatsächlich in sich. Es stammt aus dem Lateinischen und heisst für sich genommen so viel wie: Jemandem mit dem Gruss gleichzeitig etwas Gutes wünschen. Knapper geht’s nicht mehr und klingt erst noch kultivierter als unser alltägliches «Prost» oder «Gesundheit»!

 Bei vielen kommt bei diesem Wort noch eine andere Erinnerung. Im militärbegeisterten 16. Jahrhundert begann man seine Verbündeten mit Gewehr- oder gar Kanonenschüssen zu begrüssen. Aus dem Grusswort «Salve» wurde ein Knall, das heisst eine detonierende Geschütz-Salve. Auch im religiösen Brauchtum von Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam waren solche Schiessen lange Zeit fest verankert.

 Doch damit nicht genug! Während Jahrhunderten stand «Salve» als beliebte Inschrift über Hauseingängen. Für Goethes Geschmack war das zu distanziert, und er legte sein berühmtes, eingraviertes «Salve» unmittelbar vor die Türschwelle seiner Privatwohnung. Jeder, der kam – und es kamen viele – musste zuerst über dieses «Salve» schreiten ... Immer wieder heissen uns auch heute bei Wohnungstüren verschiedene Sprüche und Zeichnungen Willkommen. Oft auch in anderen Sprachen. Gerade die Kreuze und die Jahreszahl der Haussegnung von Dreikönigen beeindrucken und erfreuen mich jeweils sehr.

 Nochmals zurück nach Einsiedeln. Da wird seit 1547 an jedem Tag zum Abschluss der Vesper von den Mönchen «das Salve» gesungen. Es hat bei tausenden und abertausend von Pilgern nichts von seiner geheimnisvollen Wirkung verloren. Ein Zeichen echter Tradition, die stets daran zu erkennen ist, dass sie die Gegenwart in ihren Fragen und Spannungen abzuholen weiss. Sprache und Melodie sind geblieben, ja, aber sie verdrängen die grossen Fragen und Sorgen der Gegenwart nicht. Das ist nicht selbstverständlich! Man hört das "Salve Regina» und denkt nicht mehr daran, was das Wort sonst noch bedeuten könnte.

 So wünschte ich, dass ein "Salve" an den Ein- und Ausgängen gelebt und zum Segen wird. Im prächtigen Wonnemonat Mai wünsche ich Ihnen überdies mit einem "Salve" viel Gutes und Erbauendes und Geheimnisvolles. Schön, wenn auch viele Menschen aus Oberkirch und Nottwil an den Bittgängen, Umritten und Wallfahrten teilnehmen. Ein Gefühl der Glaubensfreude und der Gemeinschaft soll sie ergreifen. Das Einsiedler-Salve lasse grüssen! Und wenn es halt oft auch nur zu einem simplen "Prost" reicht, ist das ja nicht viel weniger prächtig!

 Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

zum April 2017

Was hat mir Ostern zu sagen?

Vom Schwarzen und Weissen Feuer zum Osterfeuer

 „Natale con i tuoi – Pasqua con chi vuoi!“Dieser italienische Ausspruch lautet in Deutsch wie folgt: „Weihnachten mit den Deinen – Ostern mit wem Du willst!“ 

 Egal ob Deutsch oder Italienisch, die Aussage bleibt, dass Ostern erst an zweiter Stelle kommt. Weihnachten ist zu einem Fest der Liebe bzw. zum Fest der Familie geworden.

 …und Ostern? Was hat Ostern uns heute noch zu sagen? Oder was können wir zu Ostern sagen? Mit dem ganzen Spannungsbogen von schlichter Karfreitagsliturgie zu überschäum-ender Osterfreude innerhalb von etwas mehr als zwei Tagen zu wechseln, fällt nicht immer leicht. Wer sich aber dem auszusetzen wagt, kann zu einem tieferen Verständnis vom Ostergeheimnis gelangen.

 Was hat mir Ostern zu sagen? So lautete die Ausgangsfrage. Dieses Jahr könnte sie aber am Hohen Donnerstag auch lauten: Was habe ich zu biblischen Ostertexten zu sagen?

 Wie letztes Jahr schon wird wieder im Gottesdienst ein Bibliolog stattfinden: Eine interaktive Form der gemeinsamen Bibelauslegung. Das Wort Bibliolog setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen: Biblio (für Bibel) und –log (Dialog oder Logos, d.h. Wort). Die Verflechtung vom biblischen Text mit unserer modernen Lebenswirklichkeit weckt uralte Texte zum Leben.

 Die Methode führt dazu, uns gedanklich mit in den Abendmahlssaal zu Jesus zu setzen, uns in biblische Rollen hinein zu versetzen und uns mit Fragen konfrontiert zu sehen, wie z.B. dass wir in der Rolle des Petrus befragt werden, wie das denn sei, dass uns von unserem Meister die Füsse gewaschen werden.

 Während den Heiligen drei Tagen in einem Gottesdienst mit dem schwarzen und weissen Feuer zu spielen, ist für mich ein Geschenk. Zum einen lasse ich den biblischen Text absolut unverändert (schwarzes Feuer), zum anderen bietet der Zwischenraum zwischen den Buchstaben (das weisse Feuer) genügend Raum und offene Fragen, die wir gemeinsam zu erörtern versuchen.

 Mir gefällt es, dass beim Bibliolog die oberste Regel lautet: Man darf sich melden und ein Handzeichen geben – aber man muss nicht. Wenn ich nicht in Spiel-Laune bin, wenn ich Gedanken habe, die ich nicht mit den anderen teilen will, dann ist das in Ordnung. Selbst dann nehme ich teil. Vielleicht sind meine Gedanken wertvoll für mich, aber ich darf schweigen. Selbst bei Wortmeldungen muss ich nichts ins Mikrofon sagen, und darf weiterhin sitzenbleiben. Jede der Wortmeldungen ist wertvoll und kann für alle eine Bereicherung sein. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes Osterfest, das uns was zu sagen hat!

 Ursula Schwegler, Theologin und Bibliologin 

 

 

zum März 2017

 Unmaskiert....

Mit dem Aschenmittwoch wird die fröhlich ausgelassene Fasnachtszeit beendet. Fertig ist es mit dem bunten Fasnachtstreiben und somit ver-schwinden Kostüme; Masken und Fasnacht-Schminke wieder für ein Jahr von der Bildfläche. Unmaskiert, ungeschminkt geht das Leben weiter. Ist dem so? Oder werden vielleicht Masken und Schminke nur ausgetauscht?

 Eine Frage, die sich mir gerade für die kommende Fastenzeit wieder stellt, in der wir Christinnen und Christen aufgerufen sind, unser Menschsein und Glaubensleben neu zu überdenken. Als „waschechte Krienserin“ nenne ich eine wunderschöne Holzmaske mein Eigen (natürlich geschnitzt von einem Krienser Maskenschnitzer). Diese charaktervolle Maske hat mich während vielen Jahren zum „Wöschwyb“ (eine typisch urige Krienser Fasnachtsfigur) begleitet. Jetzt hängt dieses knorrig verschmitzte Holzgesicht in unserer Wohnung beim „Krienser Egge“ an der Wand. Erinnert mich an meine Kinder- und Jugendzeit; an Menschen die mich darin begleitet haben; erinnert mich an mein geliebtes Kriens am Fuße des Pilatus und – an seine traditionelle, so einzigartige Fasnacht. 

 Doch, dieses liebliche Holzgesicht erinnert mich auch daran, was jetzt in der Fastenzeit wieder Ansage ist nämlich: sich auf die Werte wie Tradition und Kultur; Glauben; Freiheit; Solidarität und Frieden zu besinnen. Will heissen: diese zu pflegen; sich dafür einzusetzen und stark zu machen. Will heissen: sein Gegenüber wahr zunehmen; offen und ansprechbar zu sein und sich „unmaskiert und ungeschminkt“ zu zeigen.

 Will heissen: sich zu outen und dadurch aber auch ungeschützt und verletzbar zu sein.

 Ja, Gesicht zeigen – sein Gesicht zu wahren ist nicht immer einfach. Und so kann es sein, dass Menschen sich eine Schein- oder Schutzmaske anlegen; die kleineren und größeren Falten des Menschseins mit einer „Schicht Schminke“, kaschieren. Oder anders gesagt: sie gehen auf Abstand (denn wer lässt sich schon gern in die Karten schauen); ziehen sich zurück; distanzieren sich einer Stellungnahme; Meinung oder Verantwortung. Zudem ist die Angst des Verletzt werden, des Erkannt und Gestempelt sein gross und – wer will sich ja schon gern in die Nesseln setzen?! So gesellt sich mit der Zeit eine gewisse Interessenlosigkeit dazu, die mit einer Gleichgültigkeit, Hand in Hand geht.

 Ja, Gesicht zeigen – das ruft uns Christinnen und Christen die Fastenzeit wieder in Erinnerung. Offen, „unmaskiert und ungeschminkt“ durchs Leben zu gehen; Mitverantwortung in Gesellschaft; Welt und Kirche zu übernehmen und die Stimme für das Kleine; Schwache und Hilflose zu erheben. Dazu rufen auch die Organisationen: FASTENOPFER, BROT FÜR ALLE und PARTNER SEIN wieder auf, um in den diesjährigen Fastenaktionen ihre weltweite und wichtige Aufgabe im Dienst am Nächsten zu unterstützen. Zeigen wir Gesicht und tragen diesen grossen und wertvollen Einsatz mit!

 Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit mit vielen beglückenden „unmaskierten und ungeschminkten“  Begegnungen.

Anita Troxler

 

  

zum Februar 2017

 Gesegnet sein!

Alljährlich stehen im Februar verschiedene Segnungen an:

Am 2. Februar, Fest „Mariä Lichtmess“, werden Kerzen gesegnet. Kerzen haben eine tiefe Symbolik. Zum einen lassen sich die brennenden Kerzen „verzehren“ und dabei spenden sie Licht und Wärme; zum andern erinnern die Kerzen an Christus, dessen Kommen wir an Weihnachten gefeiert haben und „ER“ für uns zum „Licht der Welt“ geworden ist (Johannes 8,12).

 Am 3. Februar – am Gedenktag des Bischof Blasius – wird den Gläubigen der Halssegen gespendet (bekannt unter Blasiussegen). Wenn Menschen bereit sind, diesen besonderen Segen zu empfangen, dann hat dies nicht mit Aberglauben zu tun, sondern vielmehr mit Vertrauen, dass wir mit all unseren Leiden zu Gott kommen können. Übrigens: Der Hals ist ja ein sehr empfindlicher Körperteil. Wir kennen doch das geflügelte Wort: „Es ist mir etwas im Hals stecken geblieben“ – oder: „ Es schnürt mir den Hals zu“. Darum ist der Empfang des Blasiussegens mehr als „nur“ Schutz von eventuellen Halskrankheiten – er wird auch bei seelischen Leiden zum Segen.

 Am 5. Februar, Agathatag, wird traditionell Brot gesegnet – sei es direkt in Bäckereien oder in Gottesdiensten. Im „Vater unser“ beten wir stets: „… unser tägliches Brot gib uns heute“. Und wenn wir um das „tägliche Brot“ bitten, dann bitten wir um das Grundlegende, um das Leben selber – und alles, was damit verbunden ist.

 Christus selbst sagt von sich: „Ich bin das Brot des Lebens“  (Johannes 6,35).

Wenn wir bereit sind, am Agathatag Brot segnen zu lassen und gesegnetes Brot zu essen, dann bringen wir zum Ausdruck, dass wir das Leben als ein Geschenk annehmen – und es nie als Besitz betrachten! Brot segnen zu lassen, zeigt auch unsere Dankbarkeit all dem gegenüber, was uns das Leben jeden Tag neu schenkt: „Schönes, das uns glücklich macht – Schweres, das uns im Leben gereift hat“.Dabei erinnert uns der „Tag der Brotsegnung“ auch eine grosse und heilige Frau aus dem Frühchristentum (um 250): Agatha (aus dem griechischen Wort „agathos“ und heisst auf Deutsch: „die Gute“! Das Gedenken an Agatha – die Gute – mahnt uns, in unserem Mensch- und Christsein, „gut zu sein“!

 In dieses „Gut-sein“, fliesst auch das Wort „Segen“ ein. Ja, überall dort, wo wir Gutes bewirken, werden wir auch zum Segen. Für mich ist es ein „Kernauftrag“, in meinem Mensch- und Christsein – trotz all meinen menschlichen Schwächen – segnend und heilend zu wirken. Wenn wir segnend wirken, schaffen wir auch eine Beziehung zu Gott! Das Wort „segnen“ stammt aus dem lateinischen „benedicere“ und bedeutet: „Gutes tun“. Wenn wir den „Segen“ empfangen, dann stehen wir auch in Beziehung zu Gott. Und aus seinem gegebenen Segen, empfangen wir auch seine Zusage: „ICH liebe euch und ich bin euch treu!“.

So seien Sie und Ihr Leben gesegnet! Verbinde jedoch damit gerne den Wunsch, dass Sie nicht nur den Segen empfangen, sondern für andere Menschen zum Segen werden!

 Heinz Hofstetter, Mitarbeitender Priester

 

 

zum Januar 2017

 

Geruch 

Die Weihnachtszeit ist voller Gefühle. Intensiver als sonst wird der je eigene Duft von Guetzli, Kerzen, Christbaum und Weihrauch wahrgenommen. In unserer irdisch-sinnenfälligen Religion erahnen wir, wie auch unser Gott "schmeckt".

 Tatsächlich begleiten Gerüche unseren Alltag. Jede Wohnung, jeder Betrieb, jedes Büro, jedes Schulhaus, jede Kirche schmeckt speziell. Man sagt, dass der Geruchsinn viel älter ist als unser Sehen, Hören und Tasten. Ob anziehend oder abstossend, dienen Gerüche der nonverbalen Kommunikation. Ohne Worte riechen wir frische oder faule Orangen, oder merken, wenn es in der Nähe brennt. Unbewusst steuern Gerüche auch die Kauflust oder gar die Partnerwahl. Mit den Gerüchen kehren Eindrücke und Erlebnisse aus der Vergangenheit augenblickhaft zurück in die Gegenwart, als sei es erst gestern gewesen.

 Oft wollen wir mit Wohlgeruch den Gestank bekämpfen. Wenn der Duft aber zu intensiv wird, bewirkt er das Gegenteil. Er überdeckt das Wesentliche. Wir werden an der "Nase herumgeführt". Und nicht selten auch verführt. Wenn aber jemand sagt: "Verdufte, ich mag dich nicht mehr riechen", wissen wir auch, was es geschlagen hat. Der Spruch "Aus den Augen, aus dem Sinn" gilt beim Geschmack nicht. Äusserst schwer ist ein prägender Geruch nicht nur aus den Kleidern zu bringen, sondern auch aus unserm Gedächtnis zu "filtern".

 Was wir mit Religion und Kirche verbinden, ist manchmal nachhaltig geprägt von Gerüchen in der Vergangenheit. Advent, Weihnachten und Dreikönigen wecken uns neu mit ihrer je eigenen Duftnote. Vielen ist etwa der Weihrauch der Liturgien in der Nase geblieben. Andere wiederum schätzen die Wohlgerüche der drei heiligen Öle Katechumenenöl, Chrisam und Krankenöl. Auch Blumen- und Kerzenduft in einer Grotte vermögen uns Gottes Wohlgeruch nahezubringen. Das Schmecken soll uns wie jede Aromatherapie, jedes ätherische Öl und jedes Duftkissen heilen und für das Unfassbare offen und zugänglich machen. Früher war es wohl so, dass der Pöbel stank und die Oberschicht sich parfümierte. Vor Gott aber werden alle gleich. In der Kathedrale von Santiago di Compostella, am Ziel des Jakobsweges, wird nach jedem Gottesdienst das grosse Weihrauchfass über dem Kirchenschiff in Bewegung gebracht. Bis heute ist dieses Ritual ein Spektakel, das mehr sagt als alle Worte: all der irdische Gestank wandle sich in Gottes Wohlgeruch und steige so zum Himmel auf. Eingetaucht in das Parfüm Gottes tragen Pilger diesen Duft in den Alltag zurück.

 "Euer Unrecht stinkt zum Himmel", klagt das Alte Testament. Nicht mangelnde Hygiene wird angekreidet, sondern viel grundsätzlicher das Tun des Menschen. Desodorieren nennt man es, wenn der ursprüngliche Geschmack wiederhergestellt wird. Das ist auch 2017 nötig. Hin und wieder desodorieren, wieder auf den guten Geschmack kommen und wahr leben. Durch Liebe und Gebet, durch Aktion und Kontemplation mögen wir uns "verbrennen", damit "per fumum", d.h. durch den Rauch, Parfüm entsteht. Dieses möge sich über Dreikönigen hinaus wohlriechend ausbreiten bei uns und in der ganzen Welt Gottes.

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

 zum Dezember 2016 

Macht hoch die Tür

Tuer

Sie kennen wohl dieses Adventslied. Und Sie wissen um den Brauch, am Adventskalender jeden Tag ein Törchen zu öffnen. Welch schöne Zeit zum gemeinsamen Singen beim Roratelicht, zum Erzählen im vertrauten Kreis mit Kindern und Grosskindern! Jesus wird erwartet. Offene Türen soll er finden. 

Täglich gehen wir durch viele Türen und Tore hinein und hinaus. Neues oder Vertrautes wartet drinnen und draussen. Wir nehmen es auf, gewähren Einlass. Es kommt zu Begegnungen. Oder wir wehren ab und schliessen zu. Wer vor verschlossenen Türen steht, kann hier weder hinein noch hinaus. Wir wissen nicht ein und aus, sagen wir etwa. Da gibt es auch keinen Austausch, da herrschen Angst und Verunsicherung. Selbst das Anklopfen und Bitten findet kein Gehör.

Türen können ausschliessen. Abschrankungen erlauben nur "Zutritt für Berechtigte". Bei Parkhäusern, vor Einkaufsläden, Museen und Ausstellungen kann man nicht einfach so durch. Vielerlei Kontrollen oder Zählungen gibt es bei den Eingängen. Vielleicht gibt es jedoch Hintereingänge oder Geheimtüren. Viele Schranken behindern so immer wieder den freien Austausch. Ausbruchsicher, einbruchsicher. Türen und Tore können also auch einschliessen. Man ist drinnen, wähnt sich in Sicherheit. Hat's grad noch in den fast vollen Lift geschafft. Wie wohltuend kann da aber auch ein Tag der offenen Tür sein. Freien Eintritt und Zutritt! Dies zu gewähren, erfordert oft Mut, und auch gegenseitiges Vertrauen.

Macht hoch die Tür. Man könnte auch sagen: Zieht den Rollladen hoch, öffnet die Türflügel ganz weit. Einmal zugeschlagene Türen müssen nicht ewig zu bleiben. Bleibt nicht eingeschlossen in Euren vier Wänden. Versucht, eine neue Welt hinein zu lassen. Gebt so die Liebe in Eurem Herzen spürbar nach aussen weiter. Denn Gott selber ist nicht bei sich geblieben, sondern "trat aus dem Himmelstor" heraus auf die Menschen zu. Phil Bosmans sagt es so: "Es ist nie zu spät, sich zu versöhnen, denn es ist nie zu spät, zu lieben, und nie zu spät, glücklich zu sein".

Gottes neue Welt blinzelt an Weihnachten durch einen Spalt der Himmelstür. Das aufmerksame Warten, Beten und Singen wird nicht enttäuscht. Oft anders und überraschend zeigt sich Gott, wenn wir wie die Türchen am Adventskalender auch unsere Sinne öffnen. Durch Negatives wie Positives werden wir so gegenseitig immer vertrauter.

Eigentlich sind Advent und Weihnachten an keine Jahreszeit gebunden. Das ganze Jahr kann Ankunft, Ankommen und Türen öffnen stattfinden. Schön, wenn wir wissen, wo ein und aus. Wenn wir zusammen am Empfang Gottes mitwirken und seinen Geist einlassen in unsere Wohnungen und Geschäftsräume, in die Schulzimmer und Sporthallen, in die Regierungspaläste und Armenhäuser, in die Tempel und Kirchen. Glück und Frieden - sei allen beschieden!

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

zum November 2016

 

Baustellen

Von unserem Wohnzimmer sehe ich auf die Baustelle des neuen Schulhaustraktes. Langsam aber stetig wächst der Neubau; langsam und stetig nimmt er uns auch einen Teil Sicht auf den Sempachersee. Doch nicht nur hier, „vor meiner Nase“, sondern überall in der Gemeinde und darüber hinaus, wird eifrig gebaut. Neue Wohn-; Büro- und Industrieräume; ja, ganze Quartiere entstehen; verändern ein Orts- und Landschaftsbild. 

Wer schon einmal gebaut hat, weiss, dass für dieses Vorhaben div. Abklärungen; Planungen und Arbeitsgänge; starke Nerven; Geduld; Ausdauer wie auch ein grosses Paket an Vertrauen in die Baufirma und Bauführung nötig sind. 

Doch nicht nur in der Landschaft, sondern auch im Menschenleben werden immer wieder so „Bauvorhaben“ angedacht und realisiert. Denn, jedes von uns plant und gestaltet sein persönliches Menschenhaus. Und so gibt’s, wie an jedem anderen Gebäude, auch an diesem immer wieder etwas umzubauen oder zu renovieren. 

Dabei gibt es „Baustellen“ die das Lebenshaus positiv verändern; unseren Wünschen entsprechend, zufrieden stellen. Aber, es gibt auch „Baustellen“ die durch unabsehbare Gründe plötzlich aus den Fugen geraten; wo es zu Verzögerungen der Termine und Arbeitsgänge kommt und – sollte es einmal ganz fehl gehen, sogar zu einem Baustopp. Unerwartetes wie: gesundheitliche Probleme; der Tod eines geliebten Menschen; die Kündigung des Arbeitsplatzes; Schicksalsschläge im näheren Umfeld erschüttern das Lebenshaus und bringen es aus dem Gleichgewicht. Solche Ereignisse können einen Ausblick verändern; ja, sie können die Weitsicht vielleicht so fest einschränken, dass eine Neugestaltung oder Neuplanung, unumgänglich wird.

So persönliche Herausforderungen haben auch jene heiligen Frauen und Männer erfahren, derer die Kirche am Fest Allerheiligen gedenkt. 

Menschen, die durch ihr Lebens- und Glaubenszeugnis so manch schwierige „Baustelle“ an ihrem Menschenhaus gemeistert haben. Menschen, die ihren Weit- und Ausblick aufs Wesentliche nie aus den Augen verloren und uns durch ihre starke Lebens- und Glaubensführung zeigen, wie auch wir ein gutes Lebenshaus bauen können. 

Ein unverkennbares Menschenhaus, das sich in ein Quartier; eine Gegend oder Landschaft einfügt und dem Gegenüber anpasst. 

Allerheiligen – das Fest des grossen „Familienhauses“ der Kirche, an dem wir eingeladen sind, mit zubauen. Jedes mit seiner individuellen Planung und Bauführung; seinen einzigartigen Fähigkeiten und handwerklichem Geschick; seinem Werkzeug und persönlichen Möglichkeiten. 

So gesehen, dürfen wir uns auch in Liebe und Dankbarkeit unserer lieben Verstorbenen erinnern, die ihr irdisches für uns so einzigartiges Menschenhaus verlassen haben, und bei Gott nun vollenden dürfen. Ihnen gedenken wir an Allerheiligen in der Totengedenkfeier um 13.30 Uhr; zu der Sie herzlich eingeladen sind. 

Von Herzen wünsche ich Ihnen für Ihr Menschsein ein gut gebautes und wohnliches Lebenshaus; eine klare Weitsicht in die Landschaft und das Leben und – sollte es darin vielleicht doch plötzlich zu einer unerwarteten „Baustelle“ kommen, viel Kraft; Mut; Geduld und Zuversicht.

Anita Troxler

 

 

 

zum Oktober 2016 

   

Herbstsonne

Der Sommer ist vergangen,
der Herbst hat angefangen,
Frau Sonne bleibt sein Gast.
Sie ist dem Herbst verbunden 
und schenkt ihm goldne Stunden,
verweilend - ohne Hast.  
Will sie auch nicht mehr prahlen,
so schickt sie dennoch Strahlen,
nur milder als bisher.
Der Wind singt seine Weise,
nach Abschied klingt es leise,
doch auch nach Wiederkehr.  

Anita Menger

         

Frühling, die Zeit des Aufbruchs, der Sommer die Zeit der Reifung, der Winter die Zeit der Ruhe, der Dunkelheit und der Herbst, er muss für vieles herhalten.  

Der Herbst die Zeit der Ernte, der Herbst des Lebens, die Zeit zum Vergehen, die Zeit der Morgennebel, die Zeit wo die Tagzeiten immer kürzer und die Nächte immer länger werden. Die Zeit wo die letzten Vorbereitungen für den Frühling getroffen werden.   

Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Ernten kann nur, wer zuvor gesät hat. Säen kann man auf ganz vielfältige Weise, ganz praktisch im Garten oder sinnbildlich zum Beispiel in der Schule.    

Die Kinder haben nach den Sommerferien ihre neuen Klassenlehrer zugeteilt erhalten. Bis zu den Herbstferien haben sie sich aneinander gewöhnt und so können alle profitieren oder eben ernten.    

Die betagten Eltern oder Grosseltern schauen auf ihre Kinder oder Enkel und freuen sich über die „Jungen“ und ernten, was sie einmal begonnen haben.   

Der Gärtner oder der Landwirt sät bereits im Herbst und freut sich auf die Ernte im Frühling oder Frühsommer.   

Wir Christen ernten ebenfalls, das neue Leben das ewig dauert, so hat es uns Jesus versprochen. Wir müssen allerdings erst säen...  

Sie sind alle zu unseren Gottesdiensten und sonstigen Anlässen der Pfarrei herzlich eingeladen.  

 Roland Grütter, Pastoraler Mitarbeiter

  

 

zum September 2016  

 

Vertrauen

 

Das Leben besteht nicht nur aus kontrollierbaren Fakten und Zahlen. In vielen Bereichen ist keine letztgültige Gewissheit zu haben. Wir sind auf Treu und Glauben angewiesen. Auf Vertrauen eben. 

Eine Vertrauensbasis sei so schnell zerstört, sagte mir unlängst ein Geschäftsmann. Er und seine Firma geniesse kein Vertrauen mehr. Sie würden für eine Dummheit eines früheren Mitarbeiters eigentlich zu Unrecht abgestraft. Ich konnte ihm gut nachfühlen. Denn auch zur Institution Kirche haben viele Zeitgenossen eine wenig vertrauensvolle Beziehung. 

Es ist paradox: Vertrauen ist immer Risiko, ein Wagnis. Terroristen zerstören es mutwillig. Man kann enttäuscht werden. Vertrauen wieder aufzubauen, kann nur durch kleine Schritte mit guten Erfahrungen geschehen. Ein Mensch muss erfahren können, dass jemand ihm gegenüber wirklich wohlwollend ist. Für viele Jugendliche z.B., die eben ihre Lehre begonnen haben, ist ein vertrauensvolles gegenseitiges Verhältnis zu ihren Vorgesetzten enorm wichtig. Vertrauen kann auch wachsen, wenn jemand kompetent und Herr seiner selbst ist. Der Garagist sollte ein Fachmann sein, sein Metier beherrschen und nicht unnötige Reparaturen machen. Genauso wie die Leute in der Kirche etwas von "der Sache Jesus" verstehen müssen und selber glaubwürdig leben. Dabei ist es nicht nötig, alles zu wissen. 

Unsere Gesellschaft funktioniert ganz zentral nur mit Vertrauen. In Familie und Schule etwa gehen wir grundsätzlich davon aus, dass mir der andere wohlgesinnt ist und mich nicht unglücklich machen will. Wir müssen ein hohes Mass an Ehrlichkeit erwarten dürfen. "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", meinte Lenin. Für das Geschäftsleben mag das stimmen, aber im Privaten trifft wohl eher das Gegenteil zu: "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser". Es ist wunderbar, Menschen um sich zu haben, denen man vertrauen kann. Und die einem selbst Vertrauen schenken. Der Vertrauensfaktor ist eben nicht so klar zu messen. Wer aber stets misstrauisch durchs Leben geht, ist gestresst und befürchtet, übervorteilt zu werden. Ein bedauernswerter Mensch! 

Vertrauen und Religion schliesslich gehören eng zusammen. Der Mensch kommt mit einem gewissen Urvertrauen auf die Welt. Glücklich, wer schon in früher Kindheit Wohlwollen und Liebe erfahren durfte. Er trägt dies wie einen Schatz ein Leben lang in sich. Mit einer guten Dosis Selbstvertrauen kann er den Weg gehen und auch andern das Vertrauen schenken. Er kann Enttäuschungen nicht entfliehen, sie aber besser einordnen. Gottvertrauen haben heisst ja, immer mehr überzeugt sein, dass es gut kommt. Doch Hand aufs Herz: Wie viele reden davon und möchten doch alles unter Kontrolle haben. Jesus nennt sie Kleingläubige. 

"Ich hoffe, das in mich gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen", sagen jeweils die Neugewählten. Eine Garantie dafür gibt es nicht. So wünschte ich mir eine gute Vertrauensbasis im Privaten und Geschäftlichen, unter Einheimischen und Fremden, in der Kirche genauso wie in der Staatengemeinschaft. Brechen wir auf in diesen Herbst und trauen dem Leben. Gott traut es uns zu, was immer kommt! 

Hans Schelbert, Gemeindeleiter