Veranstaltungen

 

Datum

Do 10.5.2018

Info

Flurbittgang & Godi zur Auffahrt

Zeit

ab 7.30 Uhr

Ort

Pfarrkirche

   

Datum

Sa/So 12./13.5.'18

Info

Landeswallfahrt

Zeit

vgl. sep. Info

Ort

nach Einsiedeln

 

 

Datum

Sa 19.5.2018

Info

Firmung

Zeit

14.00 Uhr

Ort Pfarrkirche

 

 

Datum

So 20.5.2018

Info

Pfingstfestgodi

Zeit

09.15 Uhr

Ort

Pfarrkirche

 

 

Datum

 Do 31.5.2018

Info

 Fronleichnam

Zeit

 09.15 Uhr

Ort

 Pfarrkirche

 

 

Datum

 

Info

 

Zeit

 

Ort

 

Gedanken

 zum Mai 2018

 

Die Fassade bröckelt?

Der nach aussen sichtbare Teil eines Gebäudes nennen wir Fassade. Diese soll keine Attrappe, sondern echt sein und im Inneren halten, was sie verspricht. Auch auf Menschen und Gemeinschaften soll dies zu treffen.

Oft hören wir, dass die Fassade bröckelt. Beschrieben werden dann verschiedene Mentalitäten und Denkweisen, die abweichen oder nicht ins allgemeine Bild passen. Es kann vorkommen, dass imposante und teure Fassaden geschickt die innere Leere verdecken. Aktuelle Diskussionen in der EU etwa und auch in der Kirche lassen diesen Eindruck entstehen.

Viele sind stolz auf unsere ureigenen Werte, auf die direkte Demokratie. Doch beginnt die Fassade dort zu bröckeln, wenn es um reinen Profit geht. Die Kirche besitzt mit ihren Kraftorten und ihrer Liturgie immer noch eine grosse Strahlkraft. Aber die Fassade beginnt dort zu bröckeln, wo es um rechtlich abgesicherte Machterhaltung geht, wo der "Traum" unseres Herrn Jesus in klare Strukturen gegossen bleibt.

Offene Grenzen und eine einheitliche Währung wirken nicht nur politisch befreiend. Es ist noch nicht so lange her, da tobten grausame Kriege, verhärtete Ideologien machten Grenzen dicht. Die Fassade aber bröckelt, wenn offene Grenzen und die Einheitswährung die Reichen reicher und die Armen ärmer machen. Dahinter wird der blanke Nationalismus sichtbar, den man überwunden glaubte. Um die Amtskirche ist es ruhiger geworden. Selten mehr wird öffentlich debattiert wie bei den Aufbrüchen vor fünfzig Jahren. Eine vielversprechende Offenheit hielt Einzug. Die Suche nach neuen Seelsorgemodellen weht zwar noch durch die Kirchenmauern. Doch bröckelt die Fassade, wenn sich kein qualifiziertes Personal finden lässt und notwendige weitere Reformen bequem auf andere abgeschoben werden. Es bröckelt, wenn rechtliche Fragen biblische Inhalte zu verdrängen drohen.

Ich meine, "die Sache Jesu" ist von Anfang an etwas brüchig. Es brauchte stets Korrekturen. Dabei musste immer wieder zuerst das Innere geordnet sein. Die Feiern der Kirche um Ostern herum bieten auch heute ein gutes Rezept dazu. Doch kostet die Besinnung auf die Fundamente auch Zeit. Glücklich, wer sie aufbringt! Im Moment scheint es meist billiger, in Politik und Kirche die Fassaden zu verputzen und auszuflicken, statt einen schönen Anbau zu realisieren. Und einen Einsturz erachtet man sowieso als verheerender.

Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zeigte, was demgegenüber Weitsicht hiesse: "Wir haben zwar alle den gleichen Himmel, aber nicht den gleichen Horizont". Bereits in den letzten Kriegstagen im zerbombten Deutschland soll er im Gefängnis die Ministerliste für die künftige Regierung zusammengestellt haben. Ja, wo wäre die Welt heute, ohne solch visionären Weitblick vieler Wissenschaftler, Unternehmer, Politikerinnen und Kirchenleute? Im Kleinen wie im Grossen bröckelt vielfach die Fassade. Aber nur so wird wohl unser Einsatzgebebiet erkennbar. Nur so entsteht je Neues. Denn die Kirche Jesu Christi ist keine Attrappe, sie ist reale Vision. Sie ist echt und soll im Inneren halten, was sie nach aussen verspricht.

Hans Schelbert, Gemeindeleiter, Oberkirch/Nottwil

 

 

 

zum April 2018

 

 „Chasch mer säge, was d‘wotsch….“ 

Der „ungläubige“ Thomas

 Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört: “Das glaub ich nicht! Du kannst mir sagen, was auch immer Du willst!”

 Ein Blick in die Bibel zeigt uns, dass wir damit nicht alleine sind. Bei Joh 20,25 ist die Aussage von Thomas, als jener von der Begegnung der anderen Jünger mit dem Auferstandenen hört:  

 “Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

 Acht Tage später ist Thomas auch mit den anderen Jüngern zusammen, als Jesus zu ihm sagt: “Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!” (Joh 20,27). Ich erinnere mich an einen Abend, als ich mehr als zwei Stunden in den Fernseher starrte und immer wieder sah und Erklärungen hörte, wie die Türme des World Trade Centers einstürzten. Ich begriff (oder “glaubte”?) nicht, was geschah.

Warum also sollte ich Thomas als “ungläubig” bezeichnen? Ich verstehe ihn und seine anfänglichen Zweifel. Er hatte gehört, dass Jesus auferstanden war, aber er hatte Mühe damit, das zu verstehen. Jesus bietet ihm Glaubenshilfe an, in dem er sich bereit erklärt, berührt zu werden. Mehrere Maler haben dies wie folgt dargestellt:

 Das Bild von Caravaggio betrachte ich mit einer Mischung aus Verständnis und Befremden. Wer die Bibel aufschlägt, wird nämlich feststellen, dass dort gar nicht geschrieben steht, dass Thomas seinen Finger in die Wunden Jesu gelegt hat, sondern sogleich Jesus als seinen Herrn und Gott erkennt.

 Schliessen möchte ich mit dem Wunsch des Auferstandenen, als er am Ostermorgen in die Mitte der Jünger tritt, und bevor er sich an Thomas wendet: “Friede sei mit euch!”

Diesen Frieden wünsche ich uns allen.

Ursula Schwegler, Theologin u. Katechetin

 

 

 zum März 2018 

Mache Dich auf zu neuen Horizonten

 

Für 2018 hat sich unsere Pfarrei das Jahresthema: „neue Horizonte“ gegeben. Denn, nicht nur im eigenen Menschsein sind wir immer wieder (auf)gefordert „neue Horizonte“ anzupeilen, sondern auch als Pfarreigemeinschaft.

Vieles hat sich in vergangener Zeit in Gesellschaft und Kirche verändert und – wird sich weiter ändern. Diese Wandlungen (er)fordern einerseits immer wieder Flexibilität und Neuorientierung; erfordern anderseits aber auch Mut, Neues anzugehen oder anders gesagt: neue Ziele oder eben neue Horizonte, anzusteuern.

So lädt gerade die Fastenzeit wieder ein, innezuhalten zu einer persönlichen Sinnvertiefung des Lebens; macht Mut neue Wege einzuschlagen; sich Unbekanntem zu öffnen und – bietet gleichzeitig so die Chance, den eigenen Blickwinkel oder Lebenshorizont zu erweitern.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ja, was haben denn diese Worte mit der oben abgebildeten Kerze zu tun? Nun denn, dieses Aufbrechen „zu neuen Horizonten“ spiegelt sich auch im Motiv  der diesjährigen Osterkerze. Gerne, möchte ich Ihnen dazu meine Überlegungen zum selbst entworfenen Motiv, erläutern: Der untere längere Längsbalken auf der Kerze, stellt in seinen kräftigen Farben, die Erde und deren Schöpfung dar – der obere kürzere Balken weist in seinen Pastelltönen auf die Weite und Unendlichkeit des Himmels – der am Horizont (weiss dargestellt) beginnt oder endet.

Da wo sich Himmel und Erde am Horizont verbinden; da verbindet sich das Göttliche mit dem Menschlichen. Und – wir Christinnen und Christen deuten dieses Göttliche im Zeichen vom Kreuz. So steht das goldene Kreuz für Jesus Christus. Er, der das Schwache und Vergängliche unseres Menschseins angenommen und bis zum Tod am Kreuz gelebt hat; er, der uns in seiner Auferstehung den Himmel öffnet oder anders gesagt: den Horizont zu einem unvergänglichen Leben. Und – so leuchtet uns im Zeichen der Osterkerze Gottes Liebe entgegen; eine Liebe die stärker ist als der Tod und die neue Kraft; Hoffnung und Leben schenkt und bringt.

Im Kreuz verbinden sich Himmel und Erde – Die Osterfreude der Auferstehung bringt neues Leben – Mache Dich auf zu neuen Horizonten!

Mit diesen verheissungsvollen Worten wünsche ich Ihnen und uns allen eine stärkende und gesegnete Fastenzeit, verbunden mit vielen Horizont überschreitenden Begegnungen und Erfahrungen. Und – bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei all jenen Frauen, die so tatkräftig und fleissig beim Verzieren der neuen Osterkerzen, mithelfen.

 Anita Troxler

 

 

 

zum Februar 2018

 

„Werde Teil des Wandels

in einer Welt, in der alle genug zum Leben haben.“

 

Fastenprojekt 2018 - Kolumbien

 

für den Aufbau von nachhaltigen, ökologisch-sozialen Landwirtschaftsmethoden

 und Geschlechtergerechtigkeit; Konfliktmanagements und Friedeninitiativen werden dazu erarbeitet.

  

Ein wirklicher Wandel in unserer Welt setzt immer einen inneren Wandel im Kleinen voraus. Es braucht eine neue Beziehungskultur zur Schöpfung, zum Mitmenschen und zum Göttlichen und auch wesentlich – zur eigenen Person. Wir können uns fragen: Wie und wo bin ich verwurzelt im Leben? Ist mir alles selbstverständlich geworden, was ich habe, was ich bin?

Haltungen, die uns motivieren können zum konkreten finanziellen Unterstützen und Teilen: 

Dankbarkeit

Das Wunder des Lebens kann und muss uns immer wieder begeistern, auch in Verbundenheit mit der Schöpfung. Es lässt uns eine neue, eindrückliche  Dankbarkeit erfahren, was uns in vielen Augenblicken geschenkt ist: die Luft, die Pflanzen, die Mitmenschen. Aus der Tiefe der Dankbarkeit kann uns und jedem Mitmenschen eine Würde des Gebens und Nehmens geschenkt sein.

Sensibilität und Solidarität im Wahrnehmen des Weltschmerzes Ungerechtigkeit

 Obige Grundhaltung ist uns in vielfacher Hinsicht abhandengekommen in unserer heutigen Welt und Zeit. Wir wissen zu gut um:

 Zerstörung der Natur, auch um

 Ohnmacht, Wut und Schuld gegenüber

 dem vielfachen Verlust von Rechten auf Nahrung, Güter und Menschenwürde.

 Die Frage bleibt: Was können wir als Einzelne und als Pfarreigemeinschaft konkret tun?

Aufbruch zu tätiger und erfinderischer Liebe

§ Unser Leben ist eingebunden in ein ganzheitliches Da-Sein; jeder Mensch ist eingeladen, seine Talente neu zu entdecken und zu entfalten für den oder die anderen! Dieser Prozess, diese Entwicklung von Welt, Schöpfung,
     Menschsein heisst für uns alle, bewusst Mitverantwortung zu übernehmen, für uns hier bedeutet es sicher Engagement durch unsere grossherzige Spende!

§ Wer braucht mein Teilen?

§ Wie gestalte ich „mein Weniger“ für ein engagiertes „Überleben-Können“ meiner Mitmenschen in Kolumbien?

§ Wie lebe ich (m-)eine begeisternde Vision, die Hindernisse nachhaltig überwindet, damit weniger für uns und genug für ALLE Wirklichkeit werden kann in unserer einen Welt?

§ Brechen wir gemeinsam auf in der Pfarrei Nottwil und werden wir konkret „Teil des Wandels“ durch das Fastenprojekt 2018 – Kolumbien.

Im Namen des Pfarreiteams: Sr. Marianne Rössle, Seelsorgerin

 

 

 

 zum Januar 2018

 

Neue Horizonte

Dieses Thema wurde von Pfarreirat und Seelsorgeteam für die Pfarrei Nottwil für die kommenden zwei Jahre bestimmt. Besondere Anlässe im Pfarreileben sollen auf diesem Hintergrund vorbereitet und durchgeführt werden.

Horizonte sind mehr oder weniger klar erkennbar.

Da wo sich Himmel und Erde berühren, reden wir von Horizont. Diese Umrisse zeigen sich beim Blick zu den Bergen oder über den See. Je nach Standort kann diese Grenze unterschiedlich wahrgenommen werden. Auch im geistigen Bereich haben die Horizonte mit Grenzen zu tun. Wir reden von engem und weitem Horizont. Im Glauben schliesslich sind die Übergänge zwischen Wissen und Erahnen oft fliessend.

Aufbrechen zu neuen Horizonten

Aufbrechen kann, wer etwas neugierig ist, wer eine gewisse Sehnsucht kennt. Wer sich hin und wieder aufmacht, wird ein Stück Land hinter dem Berg oder über dem Meer entdecken können. Neues tut sich auf. Nicht dass er es selber erfinden müsste, nein, es ist bereits vorhanden. Der Bergsteiger oder Seefahrer darf es selber "erfahren" und davon berichten. Selbst wenn er dann lediglich selber bestätigen kann, was andere schon erzählten, so war sein Aufbruch nicht vergebens. Gewiss, oft bleibt einem nichts anderes übrig, als sich durch gewisse Ereignisse gezwungenermassen in eine neue Situation zu begeben. So ist jedes Aufbrechen irgendwie auch ein Abbrechen. Aber im Nachhinein entpuppt sich manche Not als ein Weiterkommen auf dem Weg, als eine Erweiterung des Horizontes. Freiwillig aufzubrechen heisst, den Glauben näher verstehen wollen, mit andern darüber zu reden, zu trösten und zu suchen. Eben Erfahrungen zu machen. Dass ein liebender und glaubender Mensch immer ein Wagnis eingeht, scheint in unserer abgesicherten Welt viel zu wenig beachtet.

Gott selber kommt uns entgegen

Erfahrung heisst im Lateinischen "experimentum". Auch versuchen, wagen, kennenlernen und erleben ist damit gemeint. Auf dem Weg zu neuen Horizonten wird dies alles mitspielen. Schritt für Schritt soll Vertrauen entwickelt und Neues erkundet werden. Im biblischen Sinne darf der Mensch die Verheissung des Abraham hören: Zieh in ein fremdes Land. Ich werde dich zum Segen machen. Wer aufbricht, tut es auf Gott in. Und es ist auch der grosse, geheimnisvolle Gott selber, der den Menschen anzieht. Gott kommt seinen Geschöpfen entgegen. Sein Geheimnis ist in die Seele der Menschen eingepflanzt, verbindet sie mit ihm auf ewig. Weihnachten zeigt es je neu.

Neue Horizonte ergänzen die alten

Gerade an der Schwelle von einem alten zu einem neuen Jahr nehmen wir wahr, wie die verflossenen Tage entschwinden und mit ihnen so manche Erlebnisse. Die Erinnerung behält manches noch wach. Das neue Jahr ist erst in den Konturen und gewissen Terminen präsent. Es zeichnet sich erst im Horizont ab. Manches hat weiter Bestand, etliches geht zu Ende, anderes wird erweitert und verändert. So lebt auch der Glaube. Ich jedenfalls freue mich, mit Ihnen hin und wieder aktiv aufzubrechen und auf dem gemeinsamen Weg etliches Neues zu erfahren. Und im Nichtstun, Arbeiten, Beten und Singen ihn zu finden, der uns jenseits aller Horizonte erwartet und entgegenkommt. Glück und Segen uns allen!

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

 zum Dezember 2017

 

Zeit zum Zufriedensein können

 

Liebe Leserin, lieber Leser

Freuen Sie sich auf den Advent und auf Weihnachten? Die Antworten sind meist dieselben; immer dieser Stress, die Eile und der Rummel um Weihnachten wird mir Zuviel usw. Unlängst habe ich mir wieder einmal ein Lied eines bekannten Liedermachers angehört:

Lieber Gott, uns fehlt die Zeit,
seufzen wir in Hast und Eile.
Wer ist heute noch bereit,
dass er sie mit andern teile.

Eine Klage an Gott, uns fehlt es an Zeit und an der Bereitschaft oder vielleicht auch der Möglichkeit, unsere sonst schon knappe Zeit mit unseren Nächsten zu teilen.

Lieber Gott, die Zeit verstreicht,
fängt an, knapp zu werden.
Keinen wüsst ich, dem sie reicht,
seine Zeit auf Erden.

Die Zeit verstreicht und oft höre ich besonders von älteren Leuten, die Zeit gehe wie im Flug vorbei. „Erst noch war ich in der Schule und nun bin ich alt geworden.“ Mit zunehmendem Alter befasst man sich vielleicht schon mit dem Ende und hat doch so viel noch vor, möchte so viel machen. Trotzdem haben wir keine Möglichkeit, unsere Zeit auf Erden zu verlängern.

Lieber Gott, uns fehlt die Zeit,
kommt der Schrei aus allen Enden,
stell uns mehr davon bereit,
gib mit vollen Händen.

In der Tat ein frommer Wunsch, wenn es nur so einfach wäre. Die Frage bleibt aber im Raum, wie viel Zeit würden wir brauchen, damit es allen reicht? Und wer erhält wie viel, die einen mehr als die Anderen, und wieso?

Refrain: Herr lass deinen weisen Schluss
alle Menschen hören:
Dass es anders werden muss
aber nicht durch Zeit vermehren!
Hast du doch zum Leben jedem
wirklich Zeit genug gegeben!
Wer sie nützt und teilt gut ein,
kann damit zufrieden sein.

Mit dem Refrain kommt die Antwort auf unsere Klagen. Wer seine Zeit gut einteilt, die verfügbare Zeit nutzt, der kann mit seinem Leben zufrieden sein. Wir sollen nicht immer nur mehr von anderen fordern, sondern vielleicht auch einmal bei uns selber schauen. Unser Leben wurde uns geschenkt; was wir damit machen, dürfen wir selber entscheiden. Ob wir uns am Rummel oder dem Stress vor Weihnachten aussetzen, liegt allein an uns.

Allen wünsche ich im Namen der Pfarrei eine nach der eigenen Zeiteinteilung besinnliche Zeit und eine frohe Weihnacht. Zeit dafür haben wir genug erhalten und wir können und sollen damit zufrieden sein.

Roland Grütter, Pastoraler Mitarbeiter

 

 

zum November 2017

 

Gerufen zu einem Leben in Fülle

 

Wir Menschen sind nicht zu irgendeinem Leben gerufen, sondern zu einem Leben in Fülle. Dafür, so sagt es Jesus in der Bildrede vom guten Hirten im Johannesevangelium, ist er in die Welt gekommen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10).

Die zitierten Jesu Worte stelle ich in Verbindung mit dem Sakrament der Taufe. Immer wieder bin ich beeindruckt, wenn ich auf den Namen des Täuflings das Sakrament der Taufe spende. Der Empfang der Taufe ist der Beginn der grossen Lebensbeziehung zwischen dem Menschen und Gott. Der Vorname begleitet uns ein Leben lang: „von der Krippe bis zur Bahre“. Bei der Spendung des Taufsakramentes wird der Täufling in Christi Tod und Auferstehung eingetaucht. Auch der Völkerapostel Paulus nimmt konkret Bezug auf die Gemeinschaft der Getauften mit Christus (Römer 6,1 - 14).

Allerheiligen und Allerseelen sind mehr als Gedenktage für unsere Verstorbenen.

Es sind auch Tage der Erinnerung, dass ich durch mein Getauft sein in die Liebesgeschichte Gottes mithineingenommen bin. Der Pastoraltheologe Paul Zulehner formuliert dies treffend so: „Kernaufgabe der Kirche ist es, den Menschen in die Tiefen seines eigenen Lebens zu führen, vor jenes Geheimnis, welches das Leben im Grunde immer schon ist: Die Liebesgeschichte Gottes mit dem je einmaligen Menschen.

Ja, ich bin zu einem Leben in Fülle gerufen! Aus der Lebensbeziehung zwischen Gott und uns Menschen entsteht die Sehnsucht nach Liebe, Frieden und Gerechtigkeit. In diese Beziehung Gottes ist auch die vielseitig, zeitlich und begrenzte zwischenmenschliche Beziehung eingebettet. Im Gedenken an die Verstorbenen erinnere ich mich an Wegstrecken, die ich mit ihnen gegangen bin. Verschiedene Lebensgeschichten und Liebesbeziehungen verbinden mich mit ihnen. Nun, ich weiss, dass das Leben zeitlich begrenzt ist. Dabei trägt mich der Glaube, dass nach meinem irdischen Dasein die „Fülle des Lebens“ bei Gott erwartet. Mit dem Propheten Jesaja kann ich glauben, dass  (Jesaja 49,1).

Gerufen sein beim Namen ist etwas Wunderbares. Dieses Gerufen sein lässt mich spüren, dass ich nicht allein gelassen bin. Es ist „jemand“ da, der mit mir lacht und mit mir weint, der in meinem irdischen Dasein den Weg mit mir geht. Darum ist Allerheiligen, Allerseelen für mich nebst dem Gedenken an die Verstorbenen ebenso die Erinnerung daran, dass mein Leben kein Besitz sondern ein Geschenk ist. Wenn ich an meine eigene Begrenztheit denke, erinnere ich mich an die Worte von Tina Willms: „Einer ruft meinen Namen, in seinem Täschel trägt er ein lebendiges Bild von mir, dazu Worte, die meine Wunden verbinden. Leicht legt er mich auf seine Schultern und holt mich zurück zu mir und nach Hause.“ Das ist auch die „gute Nachricht“ in der Bildrede Jesu „vom guten Hirten“.

Dem Tod kann ich nicht entgehen, aber ich kann das Leben erfahren und mich berühren lassen von der Kraft des Lebens, die mich durch das Eingangstor in die Fülle des ewigen Lebens führt. Wie die Verstorbenen zu dieser Fülle des Lebens gerufen sind, sind auch Sie und ich gerufen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Leben!

Heinz Hofstetter, priesterlicher Mitarbeiter Nottwil

 

 

zum Oktober 2017

Herbstliches Spiel von Licht und Schatten

 

In der beginnenden Herbstzeit können wir in vielerlei Facetten der Natur das leichte Lichtspiel bewundern. Wir dürfen es erleben am Wasser, in den Bergen, im Weinberg, auf Reisen, daheim, wo immer…

Schatten und Licht erfahren wir in täglichen Begegnungen, Gesprächen mit vertrauten oder fremden Menschen, bei unterschiedlichen Meinungen, auch mit Mitmenschen anderer Nationen… 

 Schatten und Licht liegt in Vergangenem und dem, was neu aufbrechen und Frucht bringen will –  es hält uns in Bewegung, auch innerlich.

Schatten und Licht – für uns Christen zum Lebensweg gehörend, in den Spuren Christi, hoffend, glaubend, liebend.

In den herbstlichen Wochen unterwegs, Licht und Kraft tankend, sammeln wir Eindrücke und Erfahrungen, wie kostbare, zerbrechliche Lichtperlen. Vielleicht „wärmen“ uns die wertvollen Erinnerungen in den kommenden Wintermonaten

Wie kann noch mehr Licht – heller Tag werden in uns, in den Familien, am Arbeitsplatz, in unserer Pfarrei? Wie wird unser gastfreundschaftliches Zusammensein einladend; ein „Klangspiel“ im Miteinander, wo jeder sein Solo einbringt mit dem, was er ist und hat und es weiterschenkt!?

Eine bodenständige Antwort las ich letztens bei einem unbekannten, jüdischen Rabbi, der sagt: „Licht wird in uns, wenn wir in ein menschliches Gesicht schauen und wir in diesem Gesicht wirklich unser Bruder, unsere Schwester erkennen.“

Viel Freude beim Entdecken, in Begegnungen!

Sr. Marianne Rössle, Seelsorgerin

 

 

zum September 2017

Im Herbst des Lebens werden geistige Früchte reif

Nicht nur beim Obst, sondern auch beim Menschen reden wir von reif und reif. Bei beidem ist Reifen ein innerer Prozess. Es ist unsere Aufgabe, ganz Mensch zu werden, uns mit unseren Anlagen und Fähigkeiten zu entfalten, so wie Gott uns gedacht und gewollt hat.

Spätestens im Alter - dem Herbst des Lebens - fallen gewisse angeeignete, antrainierte, aber nicht wirklich integrierte Haltungen weg. Der Mensch zeigt sich zunehmend in seinem Charakter, wie er wirklich ist. Er hat auch nicht mehr die Kraft, sich hinter äusseren Formen und Normen, hinter angelernten Fassaden zu verstecken. Ich meine, er wird durch das Alter irgendwie ehrlicher. Seine geistigen Früchte kommen im Herbst des Lebens zum Vorschein. Allerdings nur, wenn sie bereits im Frühling gesät und immer wieder gehegt und gepflegt wurden. Gewiss kann man auch im Sommer oder im Winter des Lebens noch säen. Klar auch, dass wir uns im Leben für eine bestimmte Haltung und Lebensführung engagieren und interessieren müssen, damit wir im Alter ausgeglichen, zufrieden, harmonisch und gelassen sind und so eine Art Wegweiser für jüngere Menschen werden können.

Eine ältere Person kann aus der Erfahrung ihres eigenen Lebens jüngere Menschen aufmerksam machen, was Fehler zur Folge haben können, wie man unnötige Sorgen und Probleme vermeiden kann, wie mit Menschen gerecht umzugehen ist, die anders denken und fühlen. Das Problem ist, dass viele aus der Geschichte oder der Vergangenheit anderer Menschen kaum etwas lernen. Nicht nur Jüngere wollen die Erfahrungen selber machen, wollen spürbar lernen, was es heisst, zu versagen und neu anzufangen. Sie meinen, andere in ihrer Krankheit erst verstehen zu können, wenn sie selber auch krank waren.

Der Evangelist Matthäus berichtet: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen". Er warnt dabei vor falschen Propheten, von dunklem nicht klarem, nicht leicht einsehbarem Wirken. Der gute Baumboden wird gute Früchte hervorbringen. Die Qualität des Unsichtbaren offenbart sich im Endprodukt. Früchte sind demnach sichtbare Endprodukte eines gütigen Lebens, das sich unsichtbar in der geheimen Tiefe des Einzelnen vollzieht. Früchte sind Sammelgut von Erkenntnissen, von undurchschaubaren Vorgängen, von einer Reifung, die einfach geschieht. Reifung ist letztlich ein Geschenk, eine Gabe, nicht berechnet oder garantiert, sondern obendrauf gegeben.

 Der Apostel Paulus schreibt von der Frucht das Heiligen Geistes in der Einzahl, zählt dann aber ganz verschiedene Gaben als Früchte auf: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung (Gal 5,22).

Gerade die Begegnung mit Menschen, die den Zenit des Lebens hinter sich haben, offenbart eine Fülle von Früchten, wie sie uns die Natur im Herbst schenkt. So meint der Franziskaner Xaver Trachel: "Der hektische Alltag ist Vergangenheit. Eine ruhigere Zeit beginnt. Die Arbeit ist getan, die Ernte eingefahren. Der Kampf um Positionen hat ein Ende gefunden. Der Genuss der erarbeiteten Güter kann beginnen. Der reiche Erfahrungsschatz erlaubt ein leichteres Gehen in den Alltag. Die Ruhe wird als Geschenk erfahren. Eine tiefere Liebe kann über menschliche Emotionen hinausgehen und eine neue Lebensschau und Werteskala offenlegen. Auch Beziehungen erfahren eine neue Tiefe."

So wünschte ich, dass uns der anbrechende Herbst zum Wesentlichen führt und uns die Freude über jede reife Frucht ins Gesicht treibt.

 Hans Schelbert, Gemeindeleiter a.i.

 

 

 

zum August 2017

Heimatgedanken

Jedes von uns feiert irgendwann einmal im Jahr, Geburtstag. Auch unsere Heimat feiert ihren Geburtstag – dies landesweit am 1. August.

Für mich ist dieser Feiertag immer wieder ein besonderer Tag. Nicht wegen des öffentlichen Ruhetages; nicht wegen der Lampions, Feuerwerke und Raketen die an diesem Tag/Abend zu abertausenden in den Himmel steigen, sondern, weil er mich demütig und zugleich freudig daran erinnert, als freier Mensch mein Leben gestalten zu dürfen. Man kann es auch Heimatgefühl nennen, getragen von der grossen Dankbarkeit unserem Herrgott und Schöpfer gegenüber.

Denn, wie grosszügig ist unser Land mit Frieden und Freiheit gesegnet; wie einmalig sind seine Landschaften: Berge und Seen, wie vielfältig die Menschen, Kulturen und Traditionen.

Unverkennbare Werte, die unser Land, unser Menschsein prägen und formen; so immens lebenswert, kostbar und „reich“ machen.

Werte, für die es sich lohnt, in Gesellschaft; Welt und Kirche stark zu machen und auch mit anderen zu teilen. Denn, für viele Menschen weltweit ist es keine Selbstverständlichkeit in Frieden und Freiheit zu leben.

Wie bereits in den vergangenen Jahren, feiern die politische und die kirchliche Gemeinde von Nottwil den Geburtstag unserer Heimat am 31. Juli in der Badi am Sempachersee.

Die Feier beginnt um 18.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, indem wir für unsere Heimat und für den Frieden in der Welt, beten. Anschliessend sind alle zur „weltlichen Geburtstagsfeier“ geladen. Schon bald spiegeln sich die ersten Lichter im See und bei Speis und Trank, Gesprächen und in alt/neuen Begegnungen kommt man sich näher. Ein „kleines Stückchen Heimat“ am See und – Heimatgefühl – verbindet Menschen, verbindet Dorf und Land mit der Welt, verbindet Kulturen und Religionen. Heimatgefühl gibt Sicherheit, Kraft und Perspektive, schenkt Geborgenheit und ein Getragensein, auch im Glauben. Denn für uns Christinnen und Christen verheisst ja der Glaube, neben der irdischen Heimat hier, einst auch eine ewige Heimat bei Gott!

Der 726. Geburtstag unserer Heimat steht vor der Tür. Ich freue mich auf die Feier und bringe dem Geburtstagskind natürlich auch ein Geschenk mit: nämlich meine Anerkennung; meine Freude und Dankbarkeit, eingepackt in ein buntes multikulturelles Geschenkpapier unseres vielfältigen Menschseins und Lebens. Und: ich wünsche unserer Heimat alles Gute, wünsche ihr Weitblick und Offenheit, wünsche ihr Einheit; Frieden und Gottes Segen, damit auch in Zukunft Menschen weltliche wie auch himmlische Heimatgefühle in ihr erfahren können!

Anita Troxler

 

 

zum Juli 2017

 

Den Schönheiten des Lebens

Gott begegnen

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge; Mond leuchtend über den Bergen und Tälern, verborgenes Blühen von Blumen, die ins Staunen versetzen; Schmetterlinge, die ihre Flügel aufschlagen mit ihren seidenen Flügeln; Stimmen von Vögeln, die mit ihrem Gesang Wohlgefühl verbreiten; blühende Heide, die wohlriechenden Duft verbreiten; ferne Gipfel, die da majestätisch stehen seit „Urzeiten“; Bergseen wie „blaue Augen dem Himmel aufgetan“. Die Schönheiten der Natur entdecken und in ihnen Gott begegnen.

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Ein herzliches Kinderlachen, das tiefe Zufriedenheit ausstrahlt; ein freundliches Wort zur rechten Zeit, das Trost spendet; das Reichen einer Hand, die einen Menschen aufrichtet; das Schenken von etwas „Zeit“, die Leben bedeutet; ein Besuch, der viel Freude bringt; eine Aufmerksamkeit, die die Wertschätzung spüren lässt. Irgendwie fällt in all diesen Schönheiten der Schimmer des Göttlichen in eine Menschenseele.

Unendliche Schönheit ist über die Erde ausgebreitet: Wolken ziehen dahin und verwandeln sich in wunderbarerweise; eine Mücke zwischen den Stämmen schwebend, die einem einfallenden Sonnenstrahl aufschimmert, als sei sie selbst ein Funke geworden, ein winziges Licht; Jeder Lichtstrahl preist den Herrn, enthüllt ein wenig von der Schönheit, die Gott über die Erde ausgebreitet hat. Ja, in den Schönheiten des Lebens Gott begegnen. Und, was sind für Sie die Schönheiten des Lebens? Ich weiss, jeder Mensch definiert die „Schönheiten des Lebens“ auf seine je eigene Weise. Wichtig scheint mir, auf die wahren Werte zu achten, die dem Leben die Schönheiten verleihen. Wie oft wird ein schöner Sonntag oder ein schönes Wochenende gewünscht, einen schönen Abend oder was zurzeit sehr aktuell ist, schöne Ferien! Doch was meinen wir mit all den sogenannten „schönen Wünschen“? So schnell sind „schöne Wünsche“ ausgesprochen; oder wie spontan sprechen wir die Worte: „o ist das Schön …!“ Ja, gewiss ist Schönheit relativ und ebenso eine individuelle Wahrnehmung.

Was ich auch immer als Schönheit definiere, erfahre und geniesse, geht es letztlich um die eigene innere Erkenntnis, die mich glücklich und dankbar macht. So kann ich das Schöne immer wieder neu entdecken und staunen über die wunderbaren „Dinge des Lebens“ – und so dem Göttlichen begegnen!

 

„Ich wünsche dir

Musse für die schönen Dinge,

die du schon immer tun wolltet.

Nimm dir die Zeit für das,
was dir Freude macht,

was dir neue Kraft gibt,

was deinem Leben einen Sinn gibt.“

(Albert Bichler)

 

 Mit den Worten von Albert Bichler wünsche ich Ihnen eine schöne und gesegnete Zeit!

Heinz Hofstetter, priesterlicher Mitarbeiter

 

 

 zum Juni 2017

Mitten im Leben

Viele Menschen besinnen sich auf Gott, wenn es ihnen nicht so gut geht. Erst wenn sie mit der Lebensbewältigung an Grenzen stossen, kommen sie auf die Religion zurück. In der Bibel aber zeigt Gott, dass er den Menschen nicht nur in der Not, sondern mitten im Leben nahe sein will. Auch Erstkommunionkinder und Firmanden lehren es uns je neu.

Mitten im Leben muss Gott erkannt werden, in Gesundheit und Kraft und nicht erst im Leiden", sagt auch der jüdische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Ein Blick in unsere Lebenswelt zeigt allerdings, dass diese Erkenntnis oft recht wenig greift. Die Bedürfnisse werden selbstverständlich mit Geld und Beziehungen befriedigt. Irgendwelchen göttlichen Gesetzen nachzuleben erachten viele als unnötig und gar hinderlich. Die Erfolgreichen erbringen ihre Leistungen aus eigener Kraft. Dazu brauchen sie keinen Gott. Es scheint, dass Gott für den Menschen in Gesundheit und Kraft - um mit Bonhoeffer zu reden – eine oft geringe existenzielle Bedeutung hat. Wozu beten und in die Kirche gehen – ich habe ja alles.

Die Erfahrung zeigt, dass niemand dauerhaft von Erfolg und Glück satt wird. Mit Gott bezeichnen wir nichts Oberflächliches, sondern eine Wirklichkeit, die Sinn und Tiefe schenkt. Gott kann zufrieden machen, denn unser Herz ist unruhig, bis es ruhet in ihm. Wer Gott "im Saft des Lebens" sucht, sieht Freud und Leid mit andern Augen. Er wird dankbar, froh und gütig mit den Mitmenschen. Er hadert oft ebenso, doch ist Gott für ihn kein Zauberer in Not und wird nicht als Feuerwehrmann angerufen.

Ein glaubender Christenmensch kann und darf nicht über das Leid all überall hinwegsehen. Doch wenn es ihn trifft, hat er die Gewissheit, dass Gott für ihn da ist. "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen", sagt Psalm 50. Und der Mystiker Meister Eckehard versucht diese unerklärliche Nähe Gottes zu deuten, wenn er schreibt: "Oh, merket wohl, alle nachdenklichen Gemüter: das schnellste Ross, das euch zur Vollkommenheit trägt, ist Leiden. Niemand geniesst so viel ewige Seligkeit, als die mit Christus in der göttlichen Bitterkeit stehen. Denn Liebe bringt Leid – und Leid bringt Liebe".

Wer mitten im Leben mit Gott unterwegs ist, versucht ihn also in Freud und im Leid zu sehen. Gerade die Zeit um Pfingsten ruft uns alle Jahre zu, über das göttliche Wirken in der Welt nachzudenken. Wir feiern den Heiligen Geist Gottes. Wir freuen uns mit den Jugendlichen an ihrer Firmung, die sich in guter Gemeinschaft mit diesem Geist stärken lassen. Wir bitten für die Kirche um seine sieben Gaben: Den Geist der Weisheit und der Erkenntnis, der Einsicht, des Rates und der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. Wie wohltuend, sich den entscheidenden Lebensfragen nicht erst in Panikstimmung und Todesnähe zu stellen. Wie erfreulich, "mit Herzen, Mund und Händen" die je eigene Berufung und Bestimmung auf Erden neu zu erkennen und freudig zu leben.

Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

zum Mai 2017

„Salve“

Wer nach Einsiedeln pilgert, besucht gerne «das Salve». Das sympathische Dingwort hat es tatsächlich in sich. Es stammt aus dem Lateinischen und heisst für sich genommen so viel wie: Jemandem mit dem Gruss gleichzeitig etwas Gutes wünschen. Knapper geht’s nicht mehr und klingt erst noch kultivierter als unser alltägliches «Prost» oder «Gesundheit»!

 Bei vielen kommt bei diesem Wort noch eine andere Erinnerung. Im militärbegeisterten 16. Jahrhundert begann man seine Verbündeten mit Gewehr- oder gar Kanonenschüssen zu begrüssen. Aus dem Grusswort «Salve» wurde ein Knall, das heisst eine detonierende Geschütz-Salve. Auch im religiösen Brauchtum von Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam waren solche Schiessen lange Zeit fest verankert.

 Doch damit nicht genug! Während Jahrhunderten stand «Salve» als beliebte Inschrift über Hauseingängen. Für Goethes Geschmack war das zu distanziert, und er legte sein berühmtes, eingraviertes «Salve» unmittelbar vor die Türschwelle seiner Privatwohnung. Jeder, der kam – und es kamen viele – musste zuerst über dieses «Salve» schreiten ... Immer wieder heissen uns auch heute bei Wohnungstüren verschiedene Sprüche und Zeichnungen Willkommen. Oft auch in anderen Sprachen. Gerade die Kreuze und die Jahreszahl der Haussegnung von Dreikönigen beeindrucken und erfreuen mich jeweils sehr.

 Nochmals zurück nach Einsiedeln. Da wird seit 1547 an jedem Tag zum Abschluss der Vesper von den Mönchen «das Salve» gesungen. Es hat bei tausenden und abertausend von Pilgern nichts von seiner geheimnisvollen Wirkung verloren. Ein Zeichen echter Tradition, die stets daran zu erkennen ist, dass sie die Gegenwart in ihren Fragen und Spannungen abzuholen weiss. Sprache und Melodie sind geblieben, ja, aber sie verdrängen die grossen Fragen und Sorgen der Gegenwart nicht. Das ist nicht selbstverständlich! Man hört das "Salve Regina» und denkt nicht mehr daran, was das Wort sonst noch bedeuten könnte.

 So wünschte ich, dass ein "Salve" an den Ein- und Ausgängen gelebt und zum Segen wird. Im prächtigen Wonnemonat Mai wünsche ich Ihnen überdies mit einem "Salve" viel Gutes und Erbauendes und Geheimnisvolles. Schön, wenn auch viele Menschen aus Oberkirch und Nottwil an den Bittgängen, Umritten und Wallfahrten teilnehmen. Ein Gefühl der Glaubensfreude und der Gemeinschaft soll sie ergreifen. Das Einsiedler-Salve lasse grüssen! Und wenn es halt oft auch nur zu einem simplen "Prost" reicht, ist das ja nicht viel weniger prächtig!

 Hans Schelbert, Gemeindeleiter

 

 

zum April 2017

Was hat mir Ostern zu sagen?

Vom Schwarzen und Weissen Feuer zum Osterfeuer

 „Natale con i tuoi – Pasqua con chi vuoi!“Dieser italienische Ausspruch lautet in Deutsch wie folgt: „Weihnachten mit den Deinen – Ostern mit wem Du willst!“ 

 Egal ob Deutsch oder Italienisch, die Aussage bleibt, dass Ostern erst an zweiter Stelle kommt. Weihnachten ist zu einem Fest der Liebe bzw. zum Fest der Familie geworden.

 …und Ostern? Was hat Ostern uns heute noch zu sagen? Oder was können wir zu Ostern sagen? Mit dem ganzen Spannungsbogen von schlichter Karfreitagsliturgie zu überschäum-ender Osterfreude innerhalb von etwas mehr als zwei Tagen zu wechseln, fällt nicht immer leicht. Wer sich aber dem auszusetzen wagt, kann zu einem tieferen Verständnis vom Ostergeheimnis gelangen.

 Was hat mir Ostern zu sagen? So lautete die Ausgangsfrage. Dieses Jahr könnte sie aber am Hohen Donnerstag auch lauten: Was habe ich zu biblischen Ostertexten zu sagen?

 Wie letztes Jahr schon wird wieder im Gottesdienst ein Bibliolog stattfinden: Eine interaktive Form der gemeinsamen Bibelauslegung. Das Wort Bibliolog setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen: Biblio (für Bibel) und –log (Dialog oder Logos, d.h. Wort). Die Verflechtung vom biblischen Text mit unserer modernen Lebenswirklichkeit weckt uralte Texte zum Leben.

 Die Methode führt dazu, uns gedanklich mit in den Abendmahlssaal zu Jesus zu setzen, uns in biblische Rollen hinein zu versetzen und uns mit Fragen konfrontiert zu sehen, wie z.B. dass wir in der Rolle des Petrus befragt werden, wie das denn sei, dass uns von unserem Meister die Füsse gewaschen werden.

 Während den Heiligen drei Tagen in einem Gottesdienst mit dem schwarzen und weissen Feuer zu spielen, ist für mich ein Geschenk. Zum einen lasse ich den biblischen Text absolut unverändert (schwarzes Feuer), zum anderen bietet der Zwischenraum zwischen den Buchstaben (das weisse Feuer) genügend Raum und offene Fragen, die wir gemeinsam zu erörtern versuchen.

 Mir gefällt es, dass beim Bibliolog die oberste Regel lautet: Man darf sich melden und ein Handzeichen geben – aber man muss nicht. Wenn ich nicht in Spiel-Laune bin, wenn ich Gedanken habe, die ich nicht mit den anderen teilen will, dann ist das in Ordnung. Selbst dann nehme ich teil. Vielleicht sind meine Gedanken wertvoll für mich, aber ich darf schweigen. Selbst bei Wortmeldungen muss ich nichts ins Mikrofon sagen, und darf weiterhin sitzenbleiben. Jede der Wortmeldungen ist wertvoll und kann für alle eine Bereicherung sein. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes Osterfest, das uns was zu sagen hat!

 Ursula Schwegler, Theologin und Bibliologin 

 

 

zum März 2017

 Unmaskiert....

Mit dem Aschenmittwoch wird die fröhlich ausgelassene Fasnachtszeit beendet. Fertig ist es mit dem bunten Fasnachtstreiben und somit ver-schwinden Kostüme; Masken und Fasnacht-Schminke wieder für ein Jahr von der Bildfläche. Unmaskiert, ungeschminkt geht das Leben weiter. Ist dem so? Oder werden vielleicht Masken und Schminke nur ausgetauscht?

 Eine Frage, die sich mir gerade für die kommende Fastenzeit wieder stellt, in der wir Christinnen und Christen aufgerufen sind, unser Menschsein und Glaubensleben neu zu überdenken. Als „waschechte Krienserin“ nenne ich eine wunderschöne Holzmaske mein Eigen (natürlich geschnitzt von einem Krienser Maskenschnitzer). Diese charaktervolle Maske hat mich während vielen Jahren zum „Wöschwyb“ (eine typisch urige Krienser Fasnachtsfigur) begleitet. Jetzt hängt dieses knorrig verschmitzte Holzgesicht in unserer Wohnung beim „Krienser Egge“ an der Wand. Erinnert mich an meine Kinder- und Jugendzeit; an Menschen die mich darin begleitet haben; erinnert mich an mein geliebtes Kriens am Fuße des Pilatus und – an seine traditionelle, so einzigartige Fasnacht. 

 Doch, dieses liebliche Holzgesicht erinnert mich auch daran, was jetzt in der Fastenzeit wieder Ansage ist nämlich: sich auf die Werte wie Tradition und Kultur; Glauben; Freiheit; Solidarität und Frieden zu besinnen. Will heissen: diese zu pflegen; sich dafür einzusetzen und stark zu machen. Will heissen: sein Gegenüber wahr zunehmen; offen und ansprechbar zu sein und sich „unmaskiert und ungeschminkt“ zu zeigen.

 Will heissen: sich zu outen und dadurch aber auch ungeschützt und verletzbar zu sein.

 Ja, Gesicht zeigen – sein Gesicht zu wahren ist nicht immer einfach. Und so kann es sein, dass Menschen sich eine Schein- oder Schutzmaske anlegen; die kleineren und größeren Falten des Menschseins mit einer „Schicht Schminke“, kaschieren. Oder anders gesagt: sie gehen auf Abstand (denn wer lässt sich schon gern in die Karten schauen); ziehen sich zurück; distanzieren sich einer Stellungnahme; Meinung oder Verantwortung. Zudem ist die Angst des Verletzt werden, des Erkannt und Gestempelt sein gross und – wer will sich ja schon gern in die Nesseln setzen?! So gesellt sich mit der Zeit eine gewisse Interessenlosigkeit dazu, die mit einer Gleichgültigkeit, Hand in Hand geht.

 Ja, Gesicht zeigen – das ruft uns Christinnen und Christen die Fastenzeit wieder in Erinnerung. Offen, „unmaskiert und ungeschminkt“ durchs Leben zu gehen; Mitverantwortung in Gesellschaft; Welt und Kirche zu übernehmen und die Stimme für das Kleine; Schwache und Hilflose zu erheben. Dazu rufen auch die Organisationen: FASTENOPFER, BROT FÜR ALLE und PARTNER SEIN wieder auf, um in den diesjährigen Fastenaktionen ihre weltweite und wichtige Aufgabe im Dienst am Nächsten zu unterstützen. Zeigen wir Gesicht und tragen diesen grossen und wertvollen Einsatz mit!

 Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit mit vielen beglückenden „unmaskierten und ungeschminkten“  Begegnungen.

Anita Troxler

 

  

zum Februar 2017

 Gesegnet sein!

Alljährlich stehen im Februar verschiedene Segnungen an:

Am 2. Februar, Fest „Mariä Lichtmess“, werden Kerzen gesegnet. Kerzen haben eine tiefe Symbolik. Zum einen lassen sich die brennenden Kerzen „verzehren“ und dabei spenden sie Licht und Wärme; zum andern erinnern die Kerzen an Christus, dessen Kommen wir an Weihnachten gefeiert haben und „ER“ für uns zum „Licht der Welt“ geworden ist (Johannes 8,12).

 Am 3. Februar – am Gedenktag des Bischof Blasius – wird den Gläubigen der Halssegen gespendet (bekannt unter Blasiussegen). Wenn Menschen bereit sind, diesen besonderen Segen zu empfangen, dann hat dies nicht mit Aberglauben zu tun, sondern vielmehr mit Vertrauen, dass wir mit all unseren Leiden zu Gott kommen können. Übrigens: Der Hals ist ja ein sehr empfindlicher Körperteil. Wir kennen doch das geflügelte Wort: „Es ist mir etwas im Hals stecken geblieben“ – oder: „ Es schnürt mir den Hals zu“. Darum ist der Empfang des Blasiussegens mehr als „nur“ Schutz von eventuellen Halskrankheiten – er wird auch bei seelischen Leiden zum Segen.

 Am 5. Februar, Agathatag, wird traditionell Brot gesegnet – sei es direkt in Bäckereien oder in Gottesdiensten. Im „Vater unser“ beten wir stets: „… unser tägliches Brot gib uns heute“. Und wenn wir um das „tägliche Brot“ bitten, dann bitten wir um das Grundlegende, um das Leben selber – und alles, was damit verbunden ist.

 Christus selbst sagt von sich: „Ich bin das Brot des Lebens“  (Johannes 6,35).

Wenn wir bereit sind, am Agathatag Brot segnen zu lassen und gesegnetes Brot zu essen, dann bringen wir zum Ausdruck, dass wir das Leben als ein Geschenk annehmen – und es nie als Besitz betrachten! Brot segnen zu lassen, zeigt auch unsere Dankbarkeit all dem gegenüber, was uns das Leben jeden Tag neu schenkt: „Schönes, das uns glücklich macht – Schweres, das uns im Leben gereift hat“.Dabei erinnert uns der „Tag der Brotsegnung“ auch eine grosse und heilige Frau aus dem Frühchristentum (um 250): Agatha (aus dem griechischen Wort „agathos“ und heisst auf Deutsch: „die Gute“! Das Gedenken an Agatha – die Gute – mahnt uns, in unserem Mensch- und Christsein, „gut zu sein“!

 In dieses „Gut-sein“, fliesst auch das Wort „Segen“ ein. Ja, überall dort, wo wir Gutes bewirken, werden wir auch zum Segen. Für mich ist es ein „Kernauftrag“, in meinem Mensch- und Christsein – trotz all meinen menschlichen Schwächen – segnend und heilend zu wirken. Wenn wir segnend wirken, schaffen wir auch eine Beziehung zu Gott! Das Wort „segnen“ stammt aus dem lateinischen „benedicere“ und bedeutet: „Gutes tun“. Wenn wir den „Segen“ empfangen, dann stehen wir auch in Beziehung zu Gott. Und aus seinem gegebenen Segen, empfangen wir auch seine Zusage: „ICH liebe euch und ich bin euch treu!“.

So seien Sie und Ihr Leben gesegnet! Verbinde jedoch damit gerne den Wunsch, dass Sie nicht nur den Segen empfangen, sondern für andere Menschen zum Segen werden!

 Heinz Hofstetter, Mitarbeitender Priester